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Claude merkt sich jetzt alles – kostenlos

Anthropic gibt Claude Memory für alle Free-Nutzer frei. Der direkte Angriff auf ChatGPTs Marktposition.

Claude merkt sich jetzt alles – kostenlos

Anthropic hat die Memory-Funktion für alle Claude-Nutzer kostenlos freigeschaltet – inklusive eines Import-Tools, das den Wechsel von ChatGPT so einfach wie nie macht.

Das ist eine aggressive Wachstumsstrategie, verpackt in ein Feature-Update. Seit dem 2. März 2026 kann jeder Claude-Nutzer – auch ohne Bezahlabo – aktivieren, dass Claude sich Gespräche, Präferenzen und Projektkontext über Sessions hinweg merkt. Acht Monate lang war das eine Funktion, für die man zahlen musste. Jetzt ist sie kostenlos. Und das gleichzeitig mit etwas, das noch direkter ist: einem Import-Tool für ChatGPT-Memories.

Wie das Import-Tool funktioniert

Der Mechanismus ist simpel und effektiv: Anthropic stellt einen speziellen Prompt bereit, den Nutzer in ChatGPT oder Gemini einfügen. Das rivalisierende Modell exportiert daraufhin alle gespeicherten Erinnerungen und Kontextinformationen als Text. Diese werden dann direkt in Claudes Memory-Einstellungen eingefügt. Fertig – der Nutzer bringt seine komplette "Persönlichkeitsgeschichte" mit. Wer bisher bei ChatGPT war, weil das System sich seinen Arbeitsstil gemerkt hat, verliert diesen Vorteil beim Wechsel nicht mehr.

Das ist kein subtiler Move. Anthropic baut aktiv eine Migrationspipeline aus dem Ökosystem der Konkurrenz.

Die Zahlen dahinter

Anthropic kommuniziert selbst die Wachstumseffekte: Free-Plan-Nutzer sind seit Jahresbeginn um 60% gestiegen, bezahlte Pro- und Max-Abos haben sich verdoppelt. Das Memory-Feature war laut Anthropic einer der meistgewünschten Funktionen der Free-User-Community seit seinem Launch im August 2025.

Zur Einordnung: Diese Zahlen kommen direkt von Anthropic und sind nicht unabhängig verifiziert. Aber sie passen ins Bild – Claudes App Store-Sprung auf Platz 1 in der Woche der Pentagon-Kontroverse zeigt, dass Anthropics Nutzerbasis gerade stark wächst, aus mehreren Gründen gleichzeitig.

Was Memory konkret kann

Das Feature funktioniert als automatisch generierte Zusammenfassung des Chatverläufs: Claude erkennt Präferenzen, laufende Projekte, bevorzugte Kommunikationsstile – und speichert sie in einer Textdatei, die der Nutzer jederzeit einsehen und bearbeiten kann. Wer bestimmte Informationen nicht speichern möchte, kann Memory pausieren (gespeicherte Erinnerungen bleiben erhalten, neue werden nicht erstellt) oder vollständig löschen. Transparent, editierbar, unter Nutzerkontrolle.

Zum Vergleich: ChatGPT hat Memory seit Ende 2024 für alle Free-Nutzer. Gemini rollt die Funktion schrittweise aus. Anthropic war hier also nicht der Erste – aber die Kombination mit dem Import-Tool ist neu.

Warum das in dieser Woche wichtig ist

Anthropic verliert gerade einen 200-Millionen-Dollar-Pentagon-Vertrag, weil das Unternehmen Sicherheitsgrenzen nicht aufgeben wollte. Gleichzeitig gewinnt es tausende neue kostenlose Nutzer täglich. Das ist eine bewusste strategische Entscheidung: lieber Wachstum durch Vertrauen als Einnahmen durch Kompromisse. Ob das langfristig funktioniert, wird die nächste Finanzierungsrunde zeigen.

Fazit: Kostenlose Memory ist ein sinnvolles Feature-Update. Das Import-Tool ist ein Angriff auf die Wechselbarrieren der Konkurrenz. Zusammen ist das die bisher direkteste Attacke auf ChatGPTs Marktdominanz.