Jensen Huang nennt ein Open-Source-Tool "profunder als Linux" — und hat es gerade in Nvidias KI-Stack integriert.
Bei Nvidias GTC-Konferenz in San Jose (16. März) nahm CEO Jensen Huang sich 2,5 Stunden Zeit. Den größten Applaus bekam er nicht für Blackwell-Chips oder die $1-Billion-Prognose — sondern für ein Open-Source-Projekt namens OpenClaw. Huang nannte es das "populärste Open-Source-Projekt in der Geschichte der Menschheit" und behauptete, es habe Linux in Popularität übertroffen — "in nur wenigen Wochen."
OpenClaw ist ein KI-Agenten-Framework, ursprünglich entwickelt von Indie-Entwickler Peter Steinberger. Das Tool erlaubt es, KI-Agenten lokal zu deployen, miteinander kommunizieren zu lassen und mit komplexen Multi-Step-Tasks zu orchestrieren — ohne Cloud-Zwang. Einfach, modular, erweiterbar.
Was Nvidia daraus macht: Huang stellte auf der GTC NemoClaw vor — Nvidias eigenes Agenten-Toolkit, das auf OpenClaw aufsetzt. NemoClaw ermöglicht Enterprise-Nutzern, OpenClaw-Agenten mit zusätzlichen Security Controls zu betreiben. Die Botschaft an die Unternehmenswelt: "Every company needs an OpenClaw strategy." Das klingt bewusst nach der berühmten "every company needs a cloud strategy"-Welle der 2010er Jahre.
Stimmt die Linux-Behauptung? Kurzantwort: Nein, so nicht. OpenClaw ist auf GitHub rasend schnell gewachsen — die GitHub-Star-Wachstumsrate in den ersten Wochen war tatsächlich rekordverdächtig. Aber "populärer als Linux" ist eine Marketingaussage, die die kumulierten Jahrzehnte Linux-Adoption ignoriert. Huang meinte vermutlich: schnellstes Wachstum in der frühen Phase. Was aber trotzdem bemerkenswert ist: Ein Indie-Projekt hat in wenigen Wochen Traction aufgebaut, die große Labs mit Teams von Hunderten nicht geschafft haben.
Der echte Hype-Check: OpenClaw löst ein echtes Problem — KI-Agenten lokal orchestrieren, ohne von einer bestimmten Cloud oder einem bestimmten Modell abhängig zu sein. In einer Welt in der OpenAI, Anthropic und Google alle ihre eigenen Agent-Frameworks pushen, ist ein model-agnostisches, open-source Framework ein starkes Gegenangebot. Dass Nvidia es adoptiert, gibt ihm Infrastruktur-Legitimität.
Was kritisch zu beobachten bleibt: Nvidia hat jetzt ein strategisches Interesse daran, dass OpenClaw stark bleibt — weil NemoClaw darauf aufbaut. Wenn Nvidia OpenClaw aktiv forkt oder kontrolliert, verliert es seinen Community-Charakter. Steinberger hat sich bisher nicht dazu geäußert, wie viel Kontrolle er über die Roadmap behalten will.
Die größere Story: GTC 2026 war kein Hardware-Event. Es war ein Signal: Die Compute-Schicht ist gesetzt — Nvidia gewinnt da. Jetzt kämpft Nvidia darum, auch die Software-Schicht zu kontrollieren. NemoClaw ist der erste ernsthafte Move in Richtung KI-Agenten-Stack. Das macht OpenClaw zu einem politisch wichtigen Open-Source-Projekt — nicht nur einem nützlichen.
Fazit: OpenClaw ist real, nützlich und wächst schnell. Aber "profunder als Linux" ist Marketing. Die echte Frage: Bleibt es community-controlled, jetzt wo Nvidia es braucht?